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Was ist ein Digitaler Produktpass (DPP)? Vollständiger Leitfaden

Was ist ein Digitaler Produktpass, wie funktioniert er und warum schreibt die EU ihn vor? GS1 Digital Link, QR-Codes und ESPR-Compliance.

· 12 Min. Lesezeit · InfoDPP

Was ist ein Digitaler Produktpass?

Ein Digitaler Produktpass (DPP) ist ein strukturierter digitaler Datensatz, der umfassende Informationen über ein physisches Produkt enthält — Herkunft, Zusammensetzung, Umweltauswirkungen, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit. Man kann ihn als „Personalausweis” für jedes Produkt verstehen, das in der Europäischen Union verkauft wird.

Der DPP wird durch die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR), Verordnung (EU) 2024/1781, vorgeschrieben, die am 18. Juli 2024 in Kraft getreten ist.

Wie funktioniert ein DPP?

Der Prozess ist unkompliziert:

  1. Der Hersteller erstellt einen DPP für jedes Produkt (oder Produktmodell/Charge) über eine DPP-Plattform
  2. Ein eindeutiger Produktidentifikator (die ESPR verweist über ISO/IEC 15459-6 auf die GTIN, neben anderen Standards) wird dem Produkt zugewiesen
  3. Ein QR-Code, der die eindeutige URL des Produkts kodiert, wird auf das Produktetikett gedruckt
  4. Jeder kann den QR-Code scannen — Verbraucher, Recycler, Zollbehörden — und auf den digitalen Produktpass zugreifen
  5. Die Daten sind maschinenlesbar — sie ermöglichen automatisierte Konformitätsprüfungen durch Marktüberwachungsbehörden

Die ESPR verlangt, dass jeder DPP mit einem eindeutigen Produktidentifikator verknüpft und über einen Datenträger (z. B. QR-Code) zugänglich ist. Die Verordnung verweist auf die ISO/IEC 15459-Normenreihe für Identifikatoren, die u. a. die Global Trade Item Number (GTIN) — verwaltet von GS1 — als konformes Identifikationsschema umfasst.

GS1 Digital Link ist ein URI-Syntaxstandard, der festlegt, wie Produktidentifikatoren (z. B. GTIN) in einer Web-URL strukturiert werden sollen. Anstelle des traditionellen Barcodes, der nur eine Nummer kodiert und ein spezielles Lesegerät erfordert, ergibt GS1 Digital Link eine Standard-HTTP-URL — die in einen gewöhnlichen QR-Code kodiert und in jedem Webbrowser geöffnet werden kann und direkt zu den digitalen Produktinformationen führt.

⚠️ Regulatorischer Hinweis: Die ESPR selbst schreibt GS1 Digital Link nicht namentlich vor. Die endgültigen technischen Spezifikationen für Identifikatoren und Datenträger werden durch harmonisierte EU-Normen (CEN/CENELEC) oder Durchführungsrechtsakte der Kommission festgelegt, die sich Mitte 2026 noch in Entwicklung befinden. GS1-Standards gelten jedoch weithin als die wahrscheinlichste Grundlage für die Konformität, da die GTIN in ESPR Anhang III ausdrücklich genannt wird.

URL-Struktur

https://resolver.example.com/01/{GTIN}/10/{LOT}/21/{SERIAL}

Dabei gilt:

  • /01/{GTIN} — identifiziert das Produktmodell (SKU)
  • /10/{LOT} — identifiziert die Produktionscharge
  • /21/{SERIAL} — identifiziert das einzelne Exemplar

Drei Granularitätsebenen

EbeneWas sie identifiziertBeispiel
ModellEine gesamte Produktlinie„Weißes Oxford-Hemd”
Charge (Batch)Eine bestimmte Produktionsserie„März 2026, Baumwollballen #42”
Einzelstück (Item)Ein einzigartiges Exemplar„Seriennummer SN-000471”

Welche Daten enthält ein DPP?

Die spezifischen Datenanforderungen hängen von der Produktkategorie ab (definiert in delegierten Rechtsakten), umfassen aber typischerweise:

Produktidentität

  • Produktname und Modell
  • Herstellerangaben
  • Ursprungsland
  • Globale Artikelidentnummer (GTIN)

Nachhaltigkeitsdaten

  • CO₂-Fußabdruck (pro Einheit oder pro kg)
  • Recyclingfähigkeits-Score
  • Anteil recycelter Materialien
  • Umweltzertifizierungen (GOTS, OEKO-TEX usw.)

Zusammensetzung und Materialien

  • Vollständige Materialaufschlüsselung (Prozentanteile)
  • Chemische Substanzen (REACH-Konformität)
  • Gefahrstoffdeklarationen

Lebenszyklusinformationen

  • Pflege- und Wartungshinweise
  • Reparaturinformationen und Ersatzteilverfügbarkeit
  • Entsorgungs-/Recycling-Hinweise am Lebensende

Wer benötigt einen DPP?

Jeder Wirtschaftsakteur, der Produkte auf dem EU-Markt in Verkehr bringt:

  • Hersteller — primäre Verantwortung für die Erstellung und Pflege des DPP
  • Importeure — müssen sicherstellen, dass importierte Produkte gültige DPPs haben
  • Händler — müssen die DPP-Verfügbarkeit vor dem Verkauf überprüfen
  • Online-Marktplätze — müssen DPP-Informationen anzeigen oder darauf verlinken

Zeitplan: Wann wird der DPP verpflichtend?

Die DPP-Anforderungen werden stufenweise eingeführt:

  1. Batteriekategorien im Geltungsbereich der Verordnung (EU) 2023/1542 — ab 18. Februar 2027
  2. Textilien — erwartet 2027–2028 (delegierte Rechtsakte in Vorbereitung)
  3. Möbel — erwartet 2028–2029
  4. Elektronik — erwartet 2028–2030

Erste Schritte

Die beste Zeit, sich auf den DPP vorzubereiten, ist jetzt. Self-Service-Plattformen wie OriginPass ermöglichen Herstellern:

  • Konforme DPPs in Minuten zu erstellen
  • QR-Codes auf Produktetiketten zu drucken
  • Produktdaten in mehreren Sprachen zu verwalten
  • Kundenbindung durch Scan-Analysen zu verfolgen

Offizielle Quellen


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