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Was ist ein Digitaler Produktpass (DPP)? Vollständiger Leitfaden

Was ist ein Digitaler Produktpass, wie funktioniert er und wie führt die EU ihn im Rahmen von ESPR und sektoralen Produktregeln ein?

· 12 Min. Lesezeit · InfoDPP

Was ist ein Digitaler Produktpass?

Ein Digitaler Produktpass (DPP) ist ein strukturierter digitaler Datensatz, der umfassende Informationen über ein physisches Produkt enthält — Herkunft, Zusammensetzung, Umweltauswirkungen, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit. Man kann ihn als „Personalausweis” für Produkte verstehen, die in der Europäischen Union unter DPP-Regeln fallen.

Die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR), Verordnung (EU) 2024/1781, schafft den zentralen horizontalen Rahmen für künftige DPP-Kategorien. Gleichzeitig haben einige Sektoren bereits eigenständige DPP-Pflichten in anderen EU-Produktgesetzen, sodass „DPP“ nicht überall dasselbe Datenmodell oder denselben Starttermin bedeutet.

Wie funktioniert ein DPP?

Der Prozess ist unkompliziert:

  1. Der Hersteller erstellt einen DPP für jedes Produkt (oder Produktmodell/Charge) über eine DPP-Plattform
  2. Ein eindeutiger Produktidentifikator (die ESPR verweist über ISO/IEC 15459-6 auf die GTIN, neben anderen Standards) wird dem Produkt zugewiesen
  3. Ein QR-Code, der die eindeutige URL des Produkts kodiert, wird auf das Produktetikett gedruckt
  4. Jeder kann den QR-Code scannen — Verbraucher, Recycler, Zollbehörden — und auf den digitalen Produktpass zugreifen
  5. Die Daten sind maschinenlesbar — sie ermöglichen automatisierte Konformitätsprüfungen durch Marktüberwachungsbehörden

Die ESPR verlangt, dass jeder DPP mit einem eindeutigen Produktidentifikator verknüpft und über einen Datenträger (z. B. QR-Code) zugänglich ist. Die Verordnung verweist auf die ISO/IEC 15459-Normenreihe für Identifikatoren, die u. a. die Global Trade Item Number (GTIN) — verwaltet von GS1 — als konformes Identifikationsschema umfasst.

GS1 Digital Link ist ein URI-Syntaxstandard, der definiert, wie Produktidentifikatoren (z. B. GTIN) in einer Web-URL strukturiert werden können. In der Praxis bietet er einen praktischen Weg, eine Produktkennung als Standard-HTTP-URL auszudrücken — die in einen gewöhnlichen QR-Code codiert und in jedem Webbrowser geöffnet werden kann und direkt zu den digitalen Produktinformationen führt.

⚠️ Regulatorischer Hinweis: Die ESPR selbst schreibt GS1 Digital Link nicht namentlich vor. Die endgültigen technischen Spezifikationen für Identifikatoren und Datenträger werden durch harmonisierte EU-Normen (CEN/CENELEC) oder Durchführungsrechtsakte der Kommission festgelegt, die sich Mitte 2026 noch in Entwicklung befinden. GS1-Standards gelten jedoch weithin als die wahrscheinlichste Grundlage für die Konformität, da die GTIN in ESPR Anhang III ausdrücklich genannt wird.

URL-Struktur

https://resolver.example.com/01/{GTIN}/10/{LOT}/21/{SERIAL}

Dabei gilt:

  • /01/{GTIN} — identifiziert das Produktmodell (SKU)
  • /10/{LOT} — identifiziert die Produktionscharge
  • /21/{SERIAL} — identifiziert das einzelne Exemplar

Drei Granularitätsebenen

EbeneWas sie identifiziertBeispiel
ModellEine gesamte Produktlinie„Weißes Oxford-Hemd”
Charge (Batch)Eine bestimmte Produktionsserie„März 2026, Baumwollballen #42”
Einzelstück (Item)Ein einzigartiges Exemplar„Seriennummer SN-000471”

Welche Daten enthält ein DPP?

Die spezifischen Datenanforderungen hängen von der Produktkategorie ab (definiert in delegierten Rechtsakten), umfassen aber typischerweise:

Produktidentität

  • Produktname und Modell
  • Herstellerangaben
  • Ursprungsland
  • Globale Artikelidentnummer (GTIN)

Nachhaltigkeitsdaten

  • CO₂-Fußabdruck (pro Einheit oder pro kg)
  • Recyclingfähigkeits-Score
  • Anteil recycelter Materialien
  • Umweltzertifizierungen (GOTS, OEKO-TEX usw.)

Zusammensetzung und Materialien

  • Vollständige Materialaufschlüsselung (Prozentanteile)
  • Chemische Substanzen (REACH-Konformität)
  • Gefahrstoffdeklarationen

Lebenszyklusinformationen

  • Pflege- und Wartungshinweise
  • Reparaturinformationen und Ersatzteilverfügbarkeit
  • Entsorgungs-/Recycling-Hinweise am Lebensende

Wer benötigt einen DPP?

DPP-Pflichten gelten nur dort, wo das Produkt in den Anwendungsbereich einer DPP-Anforderung fällt — entweder einer eigenständigen Verordnung (Batterien gemäß Verordnung (EU) 2023/1542, Waschmittel gemäß Verordnung (EU) 2026/405, Spielzeug gemäß Verordnung (EU) 2025/2509) oder eines künftigen delegierten Rechtsakts, der im Rahmen der ESPR (Verordnung (EU) 2024/1781) erlassen wird. Für Produkte im Anwendungsbereich fließen die Verantwortlichkeiten entlang der Lieferkette:

  • Hersteller — primäre Verantwortung für die Erstellung und Pflege des DPP für Produkte im Anwendungsbereich
  • Importeure — müssen sicherstellen, dass importierte Produkte im Anwendungsbereich einen gültigen DPP haben, bevor sie auf den EU-Markt in Verkehr gebracht werden
  • Händler — müssen vor dem Verkauf von Produkten im Anwendungsbereich die Verfügbarkeit des DPP überprüfen
  • Online-Marktplätze — müssen den DPP anzeigen oder darauf verlinken, sofern dies durch das anwendbare Produktrecht und den Digital Services Act / die Marktüberwachungsverordnung verlangt wird

Zeitplan: Wann wird der DPP verpflichtend?

Die DPP-Anforderungen werden stufenweise eingeführt. Einige Sektoren haben bereits bestätigte verbindliche Fristen durch eigenständige Verordnungen, andere hängen von künftigen delegierten Rechtsakten unter ESPR ab:

Die bestätigten Sektoren zeigen bereits, dass DPP je nach Rechtsgrundlage ein Pass auf Einzelstückebene, Modellebene oder als Safety/Conformity-Pass funktionieren kann.

Bestätigt

  1. Batterien — Verordnung (EU) 2023/1542: Batteriepass-Pflicht ab 18. Februar 2027 auf Ebene der einzelnen Batterie, aber nur für die unter Artikel 77 erfassten Batteriekategorien
  2. Waschmittel — Verordnung (EU) 2026/405: DPP-Pflicht auf Modellebene ab 23. September 2029, abgestimmt mit UFI sowie der physischen und digitalen Etikettenarchitektur
  3. Spielzeug — Verordnung (EU) 2025/2509: DPP-Pflicht ab 1. August 2030, mit Anhang VI als Mindestschicht für Sicherheits-, Konformitäts- und Rückverfolgbarkeitsdaten

Indikativ (delegierte Rechtsakte unter ESPR ausstehend)

Der erste ESPR-Arbeitsplan (angenommen am 16. April 2025) gibt indikative Adoptionsziele für delegierte Rechtsakte vor. Die verpflichtende DPP-Anwendung folgt typischerweise 18–36 Monate nach der Adoption.

  1. Textilien — Erste-Welle-Priorität; Adoption delegierter Rechtsakte angestrebt ~2027
  2. Reifen — Im ersten Arbeitsplan enthalten; indikative Adoption ca. 2027
  3. Eisen und Stahl — Erste-Welle-Priorität; vorbereitende Studie läuft, Adoption angestrebt ~2026–2027
  4. Bauprodukte — Doppelter Regulierungspfad: CPR-Arbeitsplan 2026–2029 neben ESPR-Überprüfung ~2028
  5. Elektronik — Im Arbeitsplan enthalten; delegierte Rechtsakte erwartet 2028–2030
  6. Möbel — Im Arbeitsplan enthalten; erwartet ab ca. 2030

Erste Schritte

Die beste Zeit, sich auf den DPP vorzubereiten, ist jetzt. Self-Service-Plattformen wie OriginPass ermöglichen Herstellern:

  • Konforme DPPs in Minuten zu erstellen
  • QR-Codes auf Produktetiketten zu drucken
  • Produktdaten in mehreren Sprachen zu verwalten
  • Kundenbindung durch Scan-Analysen zu verfolgen

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Offizielle Quellen


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