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Omnibus IV: Inhalte des Vorschlags und DPP-Auswirkungen

Der Omnibus-IV-Vorschlag (COM(2025) 504) führt digitale Produktinfos und Gemeinsame Spezifikationen ein. Lesen Sie, was sich ändert und was noch Vorschlag ist.

· 9 Min. Lesezeit · InfoDPP

Was dieser Artikel behandelt: und was nicht

Dieser Artikel analysiert das Legislativpaket Omnibus IV auf Grundlage der offiziellen Kommissionsvorschläge (COM(2025) 504 und COM(2025) 503, vom Rat als ST 7242 2026 INIT und ST 7208 2026 INIT registriert). Alles nachstehend Beschriebene bezieht sich auf das, was im Vorschlagstext steht. Wo das Ergebnis aufgrund des laufenden Mitentscheidungsverfahrens unsicher ist, sagen wir es ausdrücklich.

Dies ist kein Prognoseartikel. Es ist eine Lektüre dessen, was die Kommission vorgelegt hat.

Vorschlagsstatus per April 2026: Legislativvorschlag, kein verabschiedetes Recht.

Update, Juni 2026: Am 9. Juni 2026 erzielten die Ratspräsidentschaft und die Verhandlungsführer des Europäischen Parlaments eine vorläufige politische Einigung zu Omnibus IV. Die Einigung umfasst den in diesem Artikel beschriebenen Strang zu Digitalisierung und gemeinsamen Spezifikationen sowie einen separaten Strang, der eine neue Unternehmenskategorie „Small Mid-Cap“ (SMC) schafft (weniger als 1 000 Beschäftigte und bis zu 200 Mio. EUR Umsatz oder bis zu 172 Mio. EUR Bilanzsumme). Die Einigung verweist ausdrücklich auf die Spielzeugsicherheit unter den betroffenen Produktvorschriften. Es bleibt eine vorläufige Einigung: Rat und Parlament müssen sie noch förmlich billigen, gefolgt von einer rechtsförmlichen Überarbeitung, bevor die Verabschiedung und die Veröffentlichung im Amtsblatt erfolgen. Die nachstehende DPP-relevante Analyse wird durch die Einigung nicht verändert.

Was ist Omnibus IV

Omnibus IV ist ein Legislativpaket der Europäischen Kommission, das am 21. Mai 2025 vorgeschlagen wurde. Der Rat der Europäischen Union registrierte die Texte im März 2026. Sein Strang zu Digitalisierung und gemeinsamen Spezifikationen besteht aus zwei Instrumenten:

  1. Entwurf einer Verordnung: COM(2025) 504, Änderung von sieben bestehenden Verordnungen: (EU) Nr. 765/2008 (Akkreditierung und Marktüberwachung), (EU) 2016/424 (Seilbahnen), (EU) 2016/425 (persönliche Schutzausrüstungen), (EU) 2016/426 (Geräte zur Verbrennung gasförmiger Brennstoffe), (EU) 2023/1230 (Maschinen), (EU) 2023/1542 (Batterieverordnung) und (EU) 2024/1781 (ESPR) in Bezug auf Digitalisierung und gemeinsame Spezifikationen. Die F-Gas-Verordnung wird nicht geändert: Innerhalb des umfassenderen Omnibus-IV-Pakets wird die F-Gas-Verordnung (EU) 2024/573 durch ein separates Instrument, COM(2025) 501, geändert, das die Registrierungspflichten für F-Gase vereinfacht und keinen Bezug zum DPP hat.
  2. Entwurf einer Richtlinie: COM(2025) 503, Änderung von 13 bestehenden Produktrichtlinien (Maschinen, RoHS, Sportboote, Druckgeräte, Schiffsausrüstung und weitere) in Bezug auf Digitalisierung und gemeinsame Spezifikationen.

Das Paket ist Teil einer breiteren Vereinfachungsinitiative zur Verringerung des Verwaltungsaufwands im EU-Produktrecht. Es ist nicht DPP-spezifisch, ändert aber direkt, wie DPP-relevante Informationen kommuniziert, standardisiert und durchgesetzt werden.

Was im Text steht: Drei DPP-relevante Punkte

1. Weitergehende Digitalisierung von Konformitätsinformationen, aber keine pauschale „nur per QR“-Regel

Der Vorschlag erweitert, wie produktrechtliche Informationen digital bereitgestellt werden können, aber nicht in einer einheitlichen Form für jedes Produkt. In den geänderten Texten kehren vor allem folgende Elemente wieder:

  • ein verpflichtender digitaler Kontakt des Herstellers auf dem Produkt und in der EU-Konformitätserklärung
  • die breitere Nutzung einer Internetadresse oder eines maschinenlesbaren Codes für die EU-Konformitätserklärung in den geänderten Richtlinien
  • die Möglichkeit, Gebrauchsanweisungen elektronisch bereitzustellen, soweit der jeweilige Sektorrechtsakt dies zulässt, mit Schutzvorkehrungen für Endnutzer
  • der Fall, dass anderes Unionsrecht bereits einen DPP verlangt und bestimmte Angaben aus DoC und Anleitungen dann ausschließlich in diesem DPP gespeichert werden dürfen, statt anderweitig dupliziert zu werden

Im Richtlinientext ist der „digitale Kontakt“ ein frei zugänglicher Online-Kommunikationskanal, etwa eine E-Mail-Adresse oder ein Kontaktformular auf einer Website. Er soll keine Registrierung, keine Zusatz-App und keine Offenlegung personenbezogener Daten allein zur Kontaktaufnahme verlangen.

Was außerhalb dieser Vereinfachung bleibt: Wesentliche Sicherheitsinformationen, Warnhinweise auf dem Produkt und in mehreren geänderten Rechtsakten Papierfassungen auf Anfrage oder zentrale Sicherheitsinformationen in Papierform.

Warum das für den DPP wichtig ist: Omnibus IV unterstützt die Nutzung des DPP als einen digitalen Ort für Konformitätsdokumente dort, wo ein sektoraler Pass bereits existiert. Es strafft die Dokumentation rund um den DPP; es schafft aber nicht von sich aus einen DPP für jedes Produkt.

💡 Praxisbeispiel: Wenn ein Produkt bereits einem sektoralen DPP unterliegt und eine geänderte Richtlinie erlaubt, dass DoC oder elektronische Anleitungen online zugänglich sind, kann der Hersteller diese Unterlagen im DPP bündeln, statt getrennte digitale Ablagen zu pflegen. Kritische Warnhinweise bleiben dort, wo das jeweilige Recht es verlangt, auf Papier oder auf dem Produkt.

2. Gemeinsame Spezifikationen als außergewöhnlicher Rückfallmechanismus

Der Vorschlag führt Gemeinsame Spezifikationen (CS) als Durchführungsrechtsakte ein, die einen Weg zur Konformität eröffnen können, wenn harmonisierte Normen nicht rechtzeitig einen nutzbaren Weg bieten oder die Anforderung nicht ausreichend abdecken. Im operativen Text ist dies als außergewöhnlicher oder letzter Rückgriff ausgestaltet, nicht als allgemeine Abkürzung an CEN/CENELEC vorbei.

CS können weiterhin eine Konformitätsvermutung vermitteln. Der belastbare Schluss ist aber enger als in vielen Zusammenfassungen: Omnibus IV öffnet einen Rückfallpfad, wenn harmonisierte Normen fehlen, unzureichend sind oder nicht rechtzeitig verfügbar werden; es macht CS nicht zum neuen Standard für die DPP-Umsetzung.

Warum das für den DPP wichtig ist: Die DPP-Infrastruktur hängt weiterhin von harmonisierten Normen von CEN/CENELEC JTC 24 ab. Wenn diese Normen für eine sektorale Pflicht nicht rechtzeitig nutzbar sind, könnten CS vorübergehend technische Klarheit schaffen. Das wäre dennoch ein Ausweichweg und nicht das reguläre Verfahren.

💡 Praxisbeispiel: Wenn eine künftige sektorale DPP-Pflicht zu gelten beginnt, bevor die harmonisierte Norm einen praktikablen Konformitätsweg bietet, könnte die Kommission den CS-Mechanismus nutzen, um diese Lücke zu überbrücken. Das wäre ein außergewöhnlicher Rückfall, kein dauerhafter Ersatz des Normungsprozesses.

Ausführlicher Erklärer: Gemeinsame Spezifikationen: Der Rückfallplan der EU für DPP-Normen.

3. Ein einziger digitaler Speicherort dort, wo ein DPP bereits existiert

Ein Erwägungsgrund und mehrere operative Änderungen weisen in dieselbe Richtung: Wenn anderes anwendbares Unionsrecht bereits einen DPP verlangt, können Informationen aus der DoC und, soweit Anleitungen elektronisch bereitgestellt werden dürfen, auch diese Anleitungen ausschließlich in diesem DPP abgelegt werden.

Warum das für den DPP wichtig ist: Das ist der klarste unmittelbar „passbezogene“ Compliance-Effekt dieses Pakets. Es reduziert die Duplizierung von Unterlagen bei sich überlagernden Produktregelungen, insbesondere bei Produkten, die bereits einem Pass-Regime wie Batterien unterliegen.

💡 Praxisbeispiel: Ein Produkt, das sowohl einem sektoralen Pass-Regime als auch einer geänderten Produktrichtlinie unterliegt, müsste keine parallelen digitalen Ablagen für dieselben Konformitätsunterlagen führen, sofern der sektorale Rechtsakt den DPP bereits verlangt.

Wo die DPP-relevanten Effekte verortet sind

Teil des PaketsDPP-relevanter Effekt
Verordnungsentwurf: COM(2025) 504Richtet die produktrechtliche Architektur rund um ESPR/Batterien neu aus, erweitert den CS-Rückfallmechanismus und erlaubt, dass bestimmte DoC-/Anleitungsinformationen ausschließlich in einem DPP liegen, wenn ein anderer Unionsakt dies bereits verlangt
Richtlinienentwurf: COM(2025) 503Verlangt einen digitalen Kontakt auf dem Produkt und in der DoC und erweitert die elektronische Bereitstellung von DoC/Anleitungen in geänderten Richtlinien unter sektoralen Bedingungen

Was dieser Vorschlag nicht tut

Um die faktische Grenze klarzuhalten:

  • Omnibus IV schafft keine neuen DPP-Datenfelder oder -anforderungen. Diese werden in sektorspezifischen delegierten Rechtsakten definiert.
  • Omnibus IV schafft keine allgemeine DPP-Pflicht für jedes Produkt, das unter die geänderten Rechtsakte fällt.
  • Omnibus IV erlaubt nicht, sämtliche Anleitungen und Sicherheitsinformationen in ein „nur per QR“-Modell zu verschieben. Der Umfang bleibt sektorspezifisch, und Papier-/Produktkennzeichnungsschutzvorkehrungen bleiben bestehen.
  • Omnibus IV ändert nicht den DPP-Zeitplan. Batteriepass weiterhin ab 18. Februar 2027; Waschmittel-DPP ab 23. September 2029; Spielzeug-DPP ab 1. August 2030.
  • Omnibus IV ersetzt keine harmonisierten Normen. Gemeinsame Spezifikationen sind ausdrücklich als Rückfall-, nicht als Ersatzmechanismus konzipiert.
  • Omnibus IV ist noch kein verabschiedetes Recht. Per Juni 2026 erzielten die Mitgesetzgeber eine vorläufige politische Einigung (9. Juni 2026), doch die förmliche Verabschiedung und die Veröffentlichung im Amtsblatt stehen noch aus, und der endgültige Text kann von der vereinbarten Fassung abweichen.

Was als Nächstes geschieht

Der Vorschlag tritt in das ordentliche Gesetzgebungsverfahren ein:

  1. Europäisches Parlament: Ausschussprüfung (IMCO ist federführend), Änderungsanträge, Plenarabstimmung
  2. Rat der EU: Arbeitsgruppendiskussionen, mögliche allgemeine Ausrichtung
  3. Trilog: Verhandlung zwischen Parlament, Rat und Kommission
  4. Formale Verabschiedung: bei Einigung
  5. Veröffentlichung im Amtsblatt: Inkrafttreten

Per Juni 2026 sind die Schritte 1 bis 3 abgeschlossen: Die Mitgesetzgeber erzielten am 9. Juni 2026 eine vorläufige Einigung. Das Dossier wartet nun auf die förmliche Billigung und die rechtsförmliche Überarbeitung (Schritte 4 bis 5), bevor es in Kraft tritt. Der genaue Zeitpunkt für Verabschiedung und Veröffentlichung im Amtsblatt ist in den Texten selbst nicht festgelegt und hängt von den abschließenden Verfahrensschritten ab.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Wenn Sie sich auf den DPP vorbereiten

Die Kernvorbereitungsarbeit ändert sich nicht, unabhängig davon, ob Omnibus IV verabschiedet wird:

  1. Produktdaten strukturieren: Zusammensetzung, Umweltnachweise, Lieferantenrückverfolgbarkeit, Identifikatoren. Diese Arbeit bleibt gleich, ob Konformitätsdokumente auf Papier oder digital ankommen.
  2. Die CS-Diskussion beobachten: wenn Ihr Sektor von noch unveröffentlichten Normen abhängt, könnte der CS-Mechanismus früher technische Klarheit schaffen als der vollständige Weg über harmonisierte Normen.
  3. Zuordnen, welche Ihrer Produkte bereits einen sektoralen DPP haben oder bald haben werden: dort reduziert Omnibus IV die Duplizierung von Konformitätsdokumenten am klarsten.

Wenn Sie Importeur sind

Ausschließlich digitale Produktinformationen bedeuten, dass sich die Konformitätsprüfung weiter in Richtung digitaler Systeme verschiebt. Dies verstärkt die durch die Zollreform-Vereinbarung vom März 2026 bestätigte Richtung.

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Offizielle Quellen


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