ESPR-Zeitplan 2026–2030: Was bestätigt ist und was indikativ bleibt
Überblick über bestätigte Fristen und indikative Zeitfenster für Batterien, Textilien, Möbel und Elektronik im ESPR-Kontext.
Die ESPR-Uhr tickt
Die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) ist am 18. Juli 2024 in Kraft getreten. Die zentrale Frage lautet jetzt, welche Termine bereits rechtlich bestätigt sind und welche vorerst nur als indikative Signale aus dem Arbeitsplan der Kommission gelesen werden sollten.
Dieser Leitfaden bietet den vollständigen Zeitplan auf Grundlage des ersten Arbeitsplans 2025–2030, der von der Europäischen Kommission im April 2025 veröffentlicht wurde.
Stand der Informationen: März 2026.
Wichtige Termine im Überblick
| Datum | Meilenstein | Rechtlicher Status |
|---|---|---|
| 18. Juli 2024 | Inkrafttreten der ESPR-Rahmenverordnung (EU) 2024/1781 | Rechtlich bestätigt |
| März 2026 | Omnibus IV-Vorschlag: Digitalisierung von Informationen und gemeinsame Spezifikationen | Vorschlag (noch nicht angenommen) |
| 18. Februar 2027 | Batteriepass gilt für Kategorien, die unter die Batterieverordnung (EU) 2023/1542 fallen | Rechtlich bestätigt |
| 18. August 2027 | Batterie-Sorgfaltspflichten (Art. 48) werden anwendbar, verschoben durch Verordnung (EU) 2025/1561 | Rechtlich bestätigt |
| 23. September 2029 | DPP verpflichtend für Waschmittel gemäß Verordnung (EU) 2026/405 | Rechtlich bestätigt |
| ~2027 | Indikatives Arbeitsplan-Fenster für Textilien | Arbeitsplan-Signal (delegierter Rechtsakt ausstehend) |
| ~2027–2028 | Indikatives Arbeitsplan-Fenster für Eisen und Stahl | Arbeitsplan-Signal (delegierter Rechtsakt ausstehend) |
| 1. August 2030 | DPP verpflichtend für Spielzeug gemäß Verordnung (EU) 2025/2509 | Rechtlich bestätigt |
| ~2028–2030 | Indikatives Arbeitsplan-Fenster für Möbel | Arbeitsplan-Signal (delegierter Rechtsakt ausstehend) |
| ~2029–2030 | Weitere Produktkategorien werden stufenweise eingeführt (Reifen, Elektronik, Chemikalien usw.) | Arbeitsplan-Signal |
Batterien: Die Vorreiter (Februar 2027)
Die EU-Batterieverordnung (2023/1542) geht der ESPR voraus und dient als Pionierfall für den DPP. Ab dem 18. Februar 2027 gelten Batteriepass-Pflichten für die Kategorien, die von dieser Verordnung erfasst sind. Der genaue Geltungsbereich sollte immer direkt im sektorspezifischen Rechtstext geprüft werden.
Unabhängig davon hat die Verordnung (EU) 2025/1561 (verabschiedet am 18. Juli 2025) die Batterie-Sorgfaltspflichten nach Artikel 48 um zwei Jahre auf 18. August 2027 verschoben; die Veröffentlichung der Sorgfaltspflicht-Leitlinien wurde auf den 26. Juli 2026 verlegt. Die Batteriepass-Verpflichtungen (Artikel 77) sind von dieser Änderung nicht betroffen — sie betrifft ausschließlich den Sorgfaltspflicht-Strang in der Lieferkette.
Was der Batterie-DPP enthalten muss
- Identifikation des Batteriemodells
- Erklärung zum CO₂-Fußabdruck
- Anteil an recycelten Materialien
- Leistungs- und Haltbarkeitsdaten
- Informationen zu Sammlung und Recycling
- Sorgfaltspflichtbericht zu Rohstoffen
Textilien: Die größte Auswirkung
Textilien stellen eine der größten Produktkategorien nach Volumen dar. Obwohl die genauen Termine für delegierte Rechtsakte noch nicht bestätigt sind, zielt der Arbeitsplan der Kommission auf 2027–2028 für textilspezifische Anforderungen.
Erwartete DPP-Anforderungen für Textilien
- Materialzusammensetzung (detaillierte Aufschlüsselung)
- Herstellungsland
- Pflegehinweise
- CO₂-Fußabdruck pro Einheit
- Recyclingfähigkeits-Score
- Chemische Substanzen (REACH-Konformität)
- Informationen zur Haltbarkeit
Was sollten Sie jetzt tun?
- Prüfen Sie Ihre Produktdaten — Kennen Sie Ihre Lieferkettendetails, Materialzusammensetzungen und Ihren CO₂-Fußabdruck?
- Wählen Sie einen Identifikator-Ansatz, den Sie langfristig tragen können — Für viele Produkte ist eine GTIN (Global Trade Item Number) eine praktische und risikoarme Option, die gut zu aktueller Marktpraxis und anerkannten Normungsrahmen passt.
- Wählen Sie eine DPP-Plattform — Self-Service-Lösungen wie OriginPass ermöglichen die strukturierte Erstellung digitaler Produktpässe in Minuten statt Monaten.
- Starten Sie mit einem Pilotprojekt — Beginnen Sie mit einer Produktlinie. Erstellen Sie einen DPP, drucken Sie QR-Codes auf Etiketten, testen Sie die Verbrauchererfahrung.
Warten Sie nicht auf die Durchsetzung
Unternehmen, die frühzeitig beginnen, profitieren von:
- Wettbewerbsvorteil — nachhaltigkeitsbewusste Einkäufer bevorzugen transparente Marken
- Reibungsloserer Compliance — kein Last-Minute-Stress, wenn Fristen nahen
- Schutz vor Anbieterabhängigkeit — frühe Wahl bedeutet Flexibilität, späte Wahl bedeutet Zeitdruck
Jenseits von ESPR: weitere bestätigte DPP-Fristen
Nicht alle DPP-Mandate entstehen durch ESPR-delegierte Rechtsakte. Zwei Sektoren haben bereits bestätigte DPP-Pflichten durch eigenständige Verordnungen erhalten:
- Spielzeug — die Spielzeugsicherheitsverordnung, die seit dem 1. Januar 2026 gilt, schreibt einen DPP für alle Spielzeuge ab dem 1. August 2030 vor und läuft außerhalb des ESPR-Delegierungsverfahrens. Siehe: Spielzeugsicherheit: DPP-Pflicht ab 1. August 2030
- Waschmittel — Verordnung (EU) 2026/405, angenommen am 11. Februar 2026 und veröffentlicht am 2. März 2026, erfordert einen DPP ab dem 23. September 2029. Siehe: EU-Waschmittelverordnung 2026/405
März 2026: Digitale Etiketten und „gemeinsame Spezifikationen“
Der bedeutendste legislative Schritt im März 2026 war die Vorstellung des Omnibus IV-Vorschlags — Kommissionsdokumente COM(2025) 504 (Verordnung) und COM(2025) 503 (Richtlinie), vom Rat als ST 7242 2026 INIT und ST 7208 2026 INIT registriert. Dieser Vorschlag ist entscheidend für die Operationalisierung des DPP:
- Digitalisierung von Konformitätsinformationen: Omnibus IV erweitert die Nutzung digitaler Kontaktdaten, der elektronischen Bereitstellung der DoC und in Teilen der geänderten Rechtsakte auch elektronischer Anleitungen oder der Ablage dieser Unterlagen im DPP. Das ist keine allgemeine „alles nur per QR“-Regel für jedes Produkt; zentrale Sicherheitsinformationen bleiben dort, wo das Recht es verlangt, auf Papier oder auf dem Produkt.
- Gemeinsame Spezifikationen (Common Specifications): Der Vorschlag eröffnet einen außergewöhnlichen Rückfallmechanismus, durch den die Kommission per Durchführungsrechtsakt Gemeinsame Spezifikationen annehmen kann, wenn harmonisierte Normen nicht rechtzeitig einen praktikablen Weg bieten. Das ist ein Backup-Pfad, kein allgemeiner Ersatz für CEN/CENELEC-Normen.
Weiterlesen
- ESPR-DPP im März 2026: Standards, Register und offene Lücken
- ESPR am 9. Februar 2026: unverkaufte Kleidung und Schuhe
- Wer darf einen DPP betreiben? EU-Regeln für Dienstleister
- Europäisches Produktgesetz: DPP-Durchsetzung wird konkreter
Offizielle Quellen
- ESPR-Verordnung (EU) 2024/1781
- ESPR-Arbeitsplan 2025–2030 der Europäischen Kommission
- Batterieverordnung (EU) 2023/1542
- Verordnung (EU) 2025/1561 — Verschiebung der Batterie-Sorgfaltspflicht auf den 18. August 2027
- Ecodesign / Green Forum — Implementierungs-Updates
- Spielzeugsicherheitsverordnung (EU) 2025/2509
- Waschmittel-Verordnung (EU) 2026/405
- Kommissionsvorschlag COM(2025) 504 — Omnibus-IV-Verordnung zur Digitalisierung und zu gemeinsamen Spezifikationen
- Kommissionsvorschlag COM(2025) 503 — Omnibus-IV-Richtlinie zur Digitalisierung und zu gemeinsamen Spezifikationen
- Ares(2026)2879622 — Entwurf zur Änderung des delegierten Rechtsakts zur Klimataxonomie
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