Skip to content
InfoDPP Logo
InfoDPP
ESPR knowledge hub
regulations

Europäisches Produktgesetz: Mögliche Folgen für die DPP-Durchsetzung

Warum das kommende Europäische Produktgesetz für DPP-Durchsetzung, Marktüberwachung, E-Commerce und Importeur-Risiko wichtig ist.

· 8 Min. Lesezeit · InfoDPP

Stand: 20. September 2026: Die geprüften amtlichen Quellen beschreiben den European Product Act weiterhin als geplant; COM(2026) 660 vom 10. September verweist auf den bevorstehenden Vorschlag. Q3 2026 ist ein Planungszeitraum, kein Anwendungsbeginn. Ein COM-Vorschlag ist noch kein Gesetz: Annahme, Veröffentlichung im Amtsblatt und die jeweiligen Geltungsbestimmungen sind weitere Schritte. Mitteilung der Kommission.

Warum das Europäische Produktgesetz für DPP wichtig ist

Über den Digitalen Produktpass wird häufig als Daten- und Konformitätswerkzeug gesprochen. Doch 2026 wird eine andere Frage immer dringlicher: Wie werden diese Produktdatensätze tatsächlich im gesamten Binnenmarkt durchgesetzt?

Hier kommt das kommende Europäische Produktgesetz (EPA) ins Spiel.

Der Gesetzestext ist noch nicht veröffentlicht; es geht also nicht um die Interpretation eines fertigen Rechtstextes. Aber mehrere unabhängige Quellen weisen bereits in die gleiche Richtung: Die EU bereitet einen stärkeren Rahmen für die Marktüberwachung vor, und Instrumente wie der DPP tauchen bereits in der breiteren Durchsetzungsdebatte auf.

Für Unternehmen, die Produkte auf dem EU-Markt platzieren, ist die praktische Konsequenz klar. Schwache Produktdatensätze könnten sich von einem zukünftigen Berichtsproblem zu einem operativen Durchsetzungsrisiko entwickeln.

Was bereits bestätigt ist

1. Die Kommission hat ein Europäisches Produktgesetz angekündigt

Eine öffentliche Bestätigung findet sich im Safety Gate Jahresbericht 2025, in dem die Kommission erklärt, dass sie die Regeln zur Marktüberwachung und Produktkonformität im kommenden Europäischen Produktgesetz noch in diesem Jahr aktualisieren wird.

Das liefert noch keinen endgültigen Rechtstext, ist aber ein klares offizielles Signal, dass die Initiative real und mit der Produktdurchsetzung verbunden ist.

2. Q3 2026 ist ein glaubwürdiger Planungshorizont

Das Arbeitsprogramm der Kommission 2026 und verwandte Konsultationsmaterialien stützen die Erwartung, dass das EPA für Q3 2026 geplant ist. Dies sollte als bestätigter Plan behandelt werden, nicht als bestätigtes Gesetz.

3. Der politische Druck hinter dem Gesetz ist bereits sichtbar

Die Safety-Gate-Zahlen erklären, warum die Durchsetzungsdebatte an Intensität gewinnt:

  • 4.671 Meldungen im Jahr 2025, die bislang höchste Zahl
  • 5.794 Folgemaßnahmen, ein Anstieg um 35 % gegenüber dem Vorjahr
  • Kosmetik machte 36 % der gemeldeten gefährlichen Produkte aus
  • Spielzeug 16 %
  • Elektrische Geräte und Ausrüstung 11 %
  • 53 % der Meldungen betrafen Chemierisiken

Diese Zahlen verdeutlichen den Bedarf, nicht konforme Produkte früher und systematischer zu erkennen.

4. E-Commerce und Importe sind ein wesentlicher Teil des Problems

Die bestehende Kommunikation der Kommission zu Zoll und Marktüberwachung hebt Online-Kanäle und Produktströme aus Nicht-EU-Ländern bereits als Schwachstellen hervor. Das deutet darauf hin, dass das EPA für Importeure, Marktplatzverkäufer und Lieferketten besonders relevant werden könnte, die nicht schnell belastbare, strukturierte Konformitätsnachweise vorlegen können.

Worauf das Europäische Produktgesetz voraussichtlich Einfluss haben wird

Da das EPA noch nicht veröffentlicht ist, bleiben die genauen rechtlichen Mechanismen offen. Die bisherigen Planungsunterlagen weisen jedoch auf mehrere Themen hin, die der Vorschlag aufgreifen könnte.

1. Stärkere Koordination der Marktüberwachung

Aktuelle Signale der Kommission deuten auf eine engere Abstimmung zwischen nationalen Behörden hin, besonders bei Produkten, die über digitale Kanäle und grenzüberschreitende Lieferketten verkauft werden.

2. Bessere Nutzung digitaler Konformitätsdaten

Der DPP ist nicht das EPA selbst, aber er würde natürlich in das Durchsetzungsmodell passen, das die EU derzeit diskutiert: strukturierte, maschinenlesbare Produktinformationen, die schneller geprüft und einfacher zwischen Systemen geteilt werden können.

3. Erhöhter Druck auf Importeure und verantwortliche Wirtschaftsakteure

Wo Produktherkunft, Dokumentationsqualität und Verantwortlichkeit der Wirtschaftsakteure unklar sind, wird die Durchsetzung langsamer und schwächer. Aktuelle Signale der Kommission weisen in die entgegengesetzte Richtung: klarere Verantwortung und bessere Rückverfolgbarkeit.

4. Stärkere Prüfung von Online-Marktplatz-Strömen

Der Safety-Gate-Bericht und bestehende Produktsicherheitsinstrumente zeigen bereits, dass die EU digitale Kanäle als Hochrisiko-Eintrittswege für unsichere oder nicht konforme Waren betrachtet. Sollte das EPA in dieser Linie angenommen werden, dürfte es diesen Fokus eher verstärken als abschwächen.

Was das für DPP bedeutet

Der Digitale Produktpass sollte in diesem Kontext nicht auf ein Etikett oder einen QR-Code reduziert werden. In einem Durchsetzungsumfeld liegt der eigentliche Wert des DPP darin, dass er einen strukturierten Produktdatensatz erzeugt, der Verifizierung unterstützen kann.

Das kann umfassen:

  • Produktidentität
  • Daten des verantwortlichen Wirtschaftsakteurs
  • Konformitätsnachweise
  • Nachhaltigkeits- und Rückverfolgbarkeitsfelder (wo gefordert)
  • Links zur technischen Dokumentation und zugangsbeschränkten Informationen

Je stärker die Durchsetzung datengetrieben wird, desto wichtiger ist es, dass Produktdatensätze strukturiert, zugänglich und intern konsistent sind.

Was offen bleibt

Mehrere wichtige Fragen bleiben offen.

1. Der EPA-Text ist noch nicht veröffentlicht

Niemand sollte das EPA als bereits geltendes Recht darstellen. Die aktuelle Grundlage ist eine Kombination aus Planungssignalen der Kommission, Konsultationshistorie und Durchsetzungskontext.

2. Das Gesetz kann die DPP-Durchsetzung stärken, ohne neue universelle DPP-Pflichten zu schaffen

Das ist ein wichtiger Unterschied. Das EPA kann verändern, wie Produkte geprüft und überwacht werden, ohne zu verändern, dass die eigentlichen DPP-Pflichten von sektorspezifischen delegierten Rechtsakten oder eigenständigen Verordnungen abhängen.

3. Die genaue Systemintegration entwickelt sich noch weiter

Die Beziehungen zwischen DPP-Registern, Zollabläufen, Marktüberwachungsinstrumenten und anderen Durchsetzungsdatenbanken entwickeln sich, aber das vollständige Betriebsmodell ist noch nicht in einem Paket veröffentlicht worden.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Bis zur Veröffentlichung des EPA-Textes können Unternehmen bereits ihre Produktdaten und Nachweisprozesse verbessern. Diese Arbeit bleibt auch bei Änderungen der späteren Verfahren nützlich.

1. Strukturierte Produktdatensätze stärken

Wenn die Durchsetzung systematischer wird, sind Unternehmen mit verstreuten Nachweisen in PDF-Dateien im Nachteil gegenüber denen mit strukturierten Produktdatensätzen, die mit klaren Identifikatoren verknüpft sind.

2. Verantwortliche Akteure und zugehörige Dokumente eindeutig zuordnen

Stellen Sie sicher, dass klar ist, wer für das Produkt verantwortlich ist, welche Nachweise existieren, wo sie gespeichert sind und wie schnell sie vorgelegt werden können.

3. Import- und Marktplatz-Risiko als frühe Priorität behandeln

Wenn Ihre Produkte über komplexe oder stark digitale Lieferketten in die EU gelangen, sollten Sie davon ausgehen, dass der Durchsetzungsdruck dort zuerst steigen wird.

4. Schwache DPP-Architekturen vermeiden

Wenn der DPP Teil der Durchsetzungsinfrastruktur wird, werden Produktdatensätze, die schwer zu exportieren, zu prüfen oder zu validieren sind, zu einer strategischen Schwachstelle.

Warum dieser Artikel zusammen mit Zoll- und Importeur-Themen gelesen werden sollte

Das EPA ist breiter als Zoll. Aber für viele Unternehmen wird die Durchsetzung am Zoll greifbar.

Daher sollte dieser Artikel zusammen gelesen werden mit:

Die übergreifende Botschaft ist in allen drei Artikeln dieselbe: Verlässlichere Produktdaten und bessere Rückverfolgbarkeit können die Rechtsdurchsetzung unterstützen.

Weiterlesen

Offizielle Quellen


Möchten Sie Produktdaten und Lieferantendokumente übersichtlich zusammenführen? Testen Sie OriginPass.eu und bereiten Sie Ihren digitalen Produktpass vor.

OriginPass

Bereiten Sie Ihre Produktdaten auf die ESPR vor

Beginnen Sie mit dem Aufbau Ihres Digitalen Produktpasses — strukturieren Sie Produktdaten, ordnen Sie Identifikatoren zu und seien Sie bereit, bevor delegierte Rechtsakte in Kraft treten. Kostenloser Tarif verfügbar.

Keine Kreditkarte erforderlich · Kostenloser Tarif verfügbar · Starten Sie in Ihrem eigenen Tempo